Bauhaus

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Bauhaus

Das Bauhaus gehört seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Bauhaus wurde 1919 von dem Berliner Architekten Walter Gropius in Weimar als Design- und Kunstschule gegründet. Ihm schwebte eine moderne Schule vor, in der Künstler, Handwerker und Auftraggeber eng zusammenarbeiten, um einen neuen Gestaltungsansatz in allen Bereichen der Architektur, der Kunst, im Produkt- und Möbel-Design durchzusetzen. 

Das Bauhaus ist eng verbunden mit der Stadt Dessau. Hier hat die 1919 in Weimar von Walter Gropius gegründete Hochschule am längsten gewirkt und zwischen den Jahren 1925 bis 1932 ihre Blütezeit erlebt. Alle drei Bauhausdirektoren Walter Gropius, Hannes Meyer und Ludwig Mies van der Rohe haben das Bauhaus in Dessau geprägt und nahezu alle Bauhausbauten, die in Dessau entstanden sind, zählen heute zu den Ikonen der Architektur des 20. Jahrhunderts.

Es ist kein totaler Neubeginn, startet die neue Schule aus der Vereinigung der Kunstschule in Weimar mit der 1907 von Henry van de Velde gegründeten Großherzoglich Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar. Beide Architekten verfolgen dasselbe Ziel: Eine neue, handwerklich ausgereifte Formensprache in Architektur und Design zu entwickeln, die einer industriellen Herstellung gerecht wird. 

Zahlreiche namhafte Künstler unterstützen Walter Gropius bei dem Aufbau des Bauhauses: Lyonel Feininger verfeinert die Drucktechniken, Johannes Itten entwickelt die Grundlagen der Farbenlehre entschieden weiter, die Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und Paul Klee nicht nur in ihren Kursen, sondern in ihrem eigenen künstlerischen Schaffen übernehmen. Selbst die Forderung der Vereinfachung auf das Wesentliche, die geometrische Form als Grundform zu berücksichtigen, findet sowohl in Gemälden der Zeit als auch in der Architektur seinen Widerhall. Das 1923 in Weimar entstandene Musterhaus »Am Horn« widerspiegelt die innovativen Ansätze: Von außen geradezu nüchtern im Stil der Neuen Sachlichkeit gestaltet, werden im Inneren alle Räume ausgehend von einem großen zentralen Hauptraum, dem Wohnzimmer, ringsum angeordnet. Diese Raumkonzeption in einer Art »Wabensystem«, von Walter Gropius der »Baukasten im Großen« genannt, entwickelt fast zeitgleich und sich gegenseitig in ihrer Arbeit befruchtend bzw. wettstreitend ebenfalls Le Corbusier. 

Aus politischen Gründen und einer großzügigen Förderung des Flugzeugbauers Hugo Junkers zieht das Bauhaus 1925 erstmals von Weimar nach Dessau. Der von Walter Gropius entworfene Neubau mit seinem durchgehend verglasten Werkstattflügel setzt nicht nur einen weiteren markanten Architektur-Meilenstein der Neuen Sachlichkeit, sondern vor allem die Kombination mit den sogenannten »Meisterhäusern«: Diese Wohnhäuser setzen konsequent in ihrer Architektur die geforderte Einheit von Wohnen und Arbeiten um. In diesen fruchtbaren Jahren entstehen die ersten Möbel-Entwürfe aus dem neuartigen Material Stahlrohr: Marcel Breuer entwirft zusammen mit Mart Staam und Ludwig Mies van der Rohe den innovativen Freischwinger der zugleich industriell hergestellt wird. Der junge Wilhelm Wagenfeld entwickelt seinen Designklassiker, die »Wagenfeld« Tischleuchte in zwei Ausführungen mit metallenem oder gläsernem Fuß. Marianne Brandt setzt den minimalistisch funktionalen Ansatz von Ludwig Mies van der Rohe, »form follows function«, in Haushaltsgeräten mit stromlinienförmigem Design um. Somit greift die von Walter Gropius geforderte Zusammenarbeit zwischen Designer, Industrie und Handwerk erfolgreich. 

Die günstige Entwicklung einer innovativen Formensprache in Architektur, Möbel-Design und Kunst wird jäh durch die politische Entwicklung des Nationalsozialismus Ende der 1920er Jahre gestoppt. International wird der Bauhaus-Gedanke zwar 1932 in der überaus erfolgreichen Ausstellung »The Modern Architecture: International exhibition« des Museum of Modern Art in New York sowie im dazugehörigen Buch »The International Style« gewürdigt, der Siegeszug der neuentwickelten Architektur und Design setzt sich somit aber nur in den USA fort, während das zuletzt als Privatschule geführte Bauhaus 1933 in Berlin seine Pforten schließt. Zahlreiche Mitglieder emigrieren und tragen durch ihre Arbeiten zur Verbreitung des innovativen Bauhaus-Gedanken bei: Walter Gropius führt mit Marcel Breuer den Aufbau eines Architekturstudiums an der renommierten Harvard Universität durch. László Moholy-Nagy baut ab 1937 im amerikanischen Exil das »New Bauhaus« auf. Ludwig Mies van der Rohe nimmt eine Lehrtätigkeit am Armour Institut in Chicago an. 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernimmt die 1953 neugegründete Hochschule für Gestaltung in Ulm in Deutschland den modernen Ansatz in Architektur und Design durch ihren ersten recht bestimmenden Leiter, den Schweizer Bauhaus-Absolventen Max Bill. Max Bill war ein Universal Genie. Neben Produkt-Design war er auch im Bereich des „Konkreten Konstruktivismus“ (Farbenlehre) bewandert. 

Das Bauhaus-Archiv und Museum für Gestaltung in Berlin besitzt die weltweit größte Sammlung zur Geschichte des Bauhauses (1919-1933), der bedeutendsten Schule für Architektur, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts. In einem vom Bauhaus-Gründer Walter Gropius entworfenen Gebäude präsentiert die Berliner Bauhaus Institution als Museum für Gestaltung Schlüsselwerke seiner Sammlung und erforscht als internationale Forschungsstätte Geschichte und Wirkung des Bauhauses. Dabei widmet sich das Bauhaus‐Archiv in zunehmendem Umfang auch Fragestellungen zu zeitgenössischer Architektur und aktuellen Entwicklungen im Design.

Copyright: Peter Vennebusch

Synonyms: Bauhaus, Weimar, Dessau, Kunstgewerbe